„Mit diesem Schritt reagieren wir gezielt auf die sich verändernden Anforderungen in der stationären Altenhilfe und die zunehmende Bedeutung gerontopsychiatrischer Versorgungsbedarfe“, sagt Einrichtungsleiterin Bouchra Hammou.
Die Zahl der Bewohner*innen mit gerontopsychiatrischen Krankheitsbildern nimmt deutlich zu. Dazu zählen vor allem demenzielle Erkrankungen, Depressionen im Alter, Angststörungen sowie herausfordernde Verhaltensweisen. Diese Entwicklung ist Ausdruck des demografischen Wandels, einer steigenden Lebenserwartung und der damit verbundenen Multimorbidität.
„Die Betreuung dieser Menschen stellt besondere Anforderungen an Pflege, Betreuung und Umfeldgestaltung. Es braucht nicht nur fachlich fundierte pflegerische Versorgung, sondern auch spezifisches Wissen im Umgang mit kognitiven Einschränkungen, veränderten Wahrnehmungen und Verhaltensweisen. Ziel der Gerontopsychiatrie ist es, den betroffenen Menschen trotz ihrer Erkrankung ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität, Selbstbestimmung und Sicherheit zu ermöglichen“, erklärt die Einrichtungsleiterin die Beweggründe für die nun eingeleiteten Maßnahmen.
So wird der Gerontobereich umgesetzt
Der neue Gerontobereich im AWO Willy-Könen-Seniorenzentrum entsteht auf Grundlage eines strukturierten, fachlich fundierten Konzepts, das mehrere zentrale Bausteine umfasst. „Wir schaffen ein Umfeld, das gezielt auf die Bedürfnisse gerontopsychiatrisch erkrankter Menschen ausgerichtet ist“, erklärt Einrichtungsleiterin Bouchra Hammou. Dazu gehören vor allem Raumanpassungen wie Orientierungshilfen, eine reizreduzierte Gestaltung und sichere Bewegungsräume, die ein unterstützendes und geborgenes Umfeld schaffen.
Parallel dazu werden neue Pflege- und Betreuungsansätze entwickelt und implementiert. „Es geht darum, spezifische Konzepte zu schaffen, die den besonderen Anforderungen dieser Zielgruppe gerecht werden“, so Hammou. Ein weiterer wichtiger Pfeiler ist die Qualifizierung der Mitarbeitenden: Sie erhalten gezielte Fort- und Weiterbildungen im Bereich Gerontopsychiatrie, um fachlich fundiert und sicher im Umgang mit kognitiven Einschränkungen, veränderten Wahrnehmungen und Verhaltensweisen agieren zu können.
Die Umsetzung setzt zudem auf enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. „Nur durch die Kooperation mit therapeutischen und ärztlichen Fachbereichen können wir eine umfassende und ganzheitliche Versorgung sicherstellen“, betont Hammou. Ebenso wird die Einbindung von Angehörigen gestärkt: Familien sollen aktiver in den Betreuungsprozess eingebunden werden, um Kontinuität und Vertrautheit im Alltag der Bewohner*innen u zu fördern.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der milieutherapeutischen Gestaltung des Alltags sowie auf einer ressourcenorientierten, personenzentrierten Pflege. „Unser Ziel ist es, den Menschen trotz ihrer Erkrankung ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität, Selbstbestimmung und Sicherheit zu ermöglichen“, sagt Bouchra Hammou.
Zeitplan: Schritt für Schritt zum Start 2027
Die Umsetzung erfolgt schrittweise im Laufe des Jahres 2026. In dieser Phase stehen die konzeptionelle Ausarbeitung, die Qualifizierung der Mitarbeitenden sowie notwendige Anpassungen im organisatorischen und räumlichen Bereich im Vordergrund. Der offizielle Start des gerontopsychiatrischen Schwerpunktbereichs ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Bis dahin werden alle erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen, um einen strukturierten und qualitativ hochwertigen Betrieb sicherzustellen.
Ausblick: Gemeinsame Aufgabe für mehr Lebensqualität
Mit der Einrichtung des Gerontobereichs verfolgt das AWO Willy-Könen-Seniorenzentrum das Ziel, die Versorgungsqualität nachhaltig weiterzuentwickeln und den spezifischen Bedürfnissen der Bewohner*innen noch besser gerecht zu werden. „Gleichzeitig verstehen wir diesen Prozess als gemeinsame Aufgabe, die nur durch die aktive Mitwirkung aller Beteiligten erfolgreich gestaltet werden kann“, so Bouchra Hammou.
