Kerstin Hartmann ordnete das Haus in den gesellschaftlichen Aufbruch der 1960er- und 1970er-Jahre ein. Allein in den 1970er-Jahren seien sechs der heute insgesamt 12 Seniorenzentren der AWO Seniorendienste Niederrhein entstanden, die Ausdruck des damaligen Anspruchs gewesen seien, älteren Menschen ein würdevolles Zuhause zu bieten.
50 Jahre gelebte Gemeinschaft
Das Seniorenzentrum stehe heute für „50 Jahre gelebte Gemeinschaft, Fürsorge und Solidarität“. Über Generationen hinweg hätten Menschen hier nicht nur gewohnt, sondern ein Zuhause gefunden, das von Respekt, Geborgenheit und Miteinander geprägt sei.
Besonderen Dank richtete die Geschäftsführung an die Mitarbeitenden, die das Haus über Jahrzehnte geprägt hätten. Ihr Engagement und ihre Menschlichkeit seien das Fundament des Erfolgs; auch Angehörige und Ehrenamtliche würdigte sie als unverzichtbaren Teil der Gemeinschaft.
Das AWO Seniorenzentrum Stadt Kamp-Lintfort sei zudem Teil eines funktionierenden Netzwerks und stehe für ein modernes Verständnis von Pflege. Neben stationärer und Kurzzeitpflege gehörten auch Angebote wie Betreutes Wohnen zum Portfolio, während Veranstaltungen und gemeinsame Aktivitäten die Verbindung ins Quartier stärkten.
Blick in die Zukunft und Forderung nach sozialen Reformen
Mit Blick auf die Zukunft betonte Kerstin Hartmann die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen für Pflege und Senior*innenarbeit. Ziel bleibe es, auch künftig mit dem Seniorenzentrum Stadt Kamp-Lintfort ein Ort zu sein, an dem Menschen Unterstützung finden und ihre Würde bewahren können.
Dieses Ziel nahm Britta Altenkamp, Präsidiumsvorsitzende des AWO Bezirksverbands Niederrhein, auf, um die aktuellen Diskussionen über Sozialreformen in der Bundespolitik aufzugreifen. So enthielten die Empfehlungen der Alterssicherungskommission in einzelnen Punkten aus ihrer Sicht durchaus positive Ansätze.
Wer aber Privilegien nicht länger unangetastet lassen wolle, müsse klare Kante zeigen: für die konsequente Einbeziehung aller Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung, die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze sowie eine degressive Abflachung hoher Rentenanwartschaften, so Altenkamp. Damit unterstrich sie den Anspruch der Arbeiterwohlfahrt, zu mehr Gerechtigkeit im Rentensystem beizutragen.
Auch der Referentenentwurf zur Neuordnung der Pflegeversicherung sehe Einschnitte und Verschlechterungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen vor. Ebenso wenig sei mit dieser Reform eine Aufwertung der Pflegetätigkeit verbunden, kritisierte die niederrheinische Präsidiumsvorsitzende.
Britta Altenkamp versprach Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegekräften, dass die Arbeiterwohlfahrt den weiteren Diskussionsprozess sehr kritisch begleiten werde. Damit machte sie deutlich, dass die AWO auch in Zukunft die Interessen von Menschen in Pflege und Alterssicherung nachdrücklich vertreten wird.