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AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. | Detail

AWO Lore Agnes Haus legt sexualpädagogisches Konzept vor – Fokus auf Selbstbestimmung, Medienkompetenz und Prävention sexualisierter Gewalt

Schwangerschaft & Sexualität

Mit einem umfassenden sexualpädagogischen Konzept stärkt das AWO Lore Agnes Haus in Essen die Rechte von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf selbstbestimmte Sexualität. Das Beratungszentrum versteht Sexualität als grundlegendes menschliches Bedürfnis und als festen Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung – unabhängig von Alter, Einschränkungen oder Identität.

Die Einrichtung orientiert sich am Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, an der UN‑Kinderrechtskonvention, der UN‑Behindertenrechtskonvention, den Fachstandards der Gesellschaft für Sexualpädagogik sowie an den Grundwerten der Arbeiterwohlfahrt: Gleichheit, Freiheit, Solidarität, Toleranz, Gerechtigkeit und der Achtung der Würde jedes Menschen. Sexuelle Bildung soll dabei weder moralisieren noch bevormunden, sondern Menschen unterstützen, informierte Entscheidungen zu treffen und eigene Grenzen wahrzunehmen.

„Sexuelle Bildung ist für uns ein Beitrag zur Demokratiebildung, zur Gesundheitsförderung und zum Schutz vor Gewalt“, heißt es im Konzept. In den Angeboten werden gesellschaftliche Rollenbilder, Körpernormen und Machtverhältnisse hinterfragt, Tabus und Mythen abgebaut und Wissen zu Verhütung, Schwangerschaftsabbruch und sexuell übertragbaren Infektionen vermittelt. Ein zentrales Anliegen ist die Prävention sexualisierter Gewalt: Teilnehmende lernen, Grenzverletzungen zu erkennen, sich Hilfe zu holen und für ihre Rechte einzustehen.

Besonders im Blick hat das Lore‑Agnes‑Haus die Herausforderungen der digitalen Welt. Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen begegnen heute sexualitätsbezogenen Inhalten vor allem in sozialen Netzwerken, durch Pornografie, Cybermobbing oder digitale Grenzüberschreitungen. Das Konzept setzt daher auf den Ausbau der Medienkompetenz: Es geht um Werteentwicklung, Selbstdarstellung, den Umgang mit Bildern und Nachrichten sowie um digitale Formen von Sexualität.

Die Ziele der Einrichtung sind breit gefächert: Sie reichen von der Förderung einer selbstbestimmten, lustbejahenden Sexualität über die Stärkung von Selbstwert und Körperpositivität bis hin zur Verbesserung der Kommunikations- und Konsensfähigkeit in Beziehungen. Ebenso wichtig sind die Unterstützung bei der Entwicklung der eigenen sexuellen Identität, die Toleranz gegenüber vielfältigen Lebens- und Liebensformen sowie das klare Benennen von Sexismus und Diskriminierung.

Die Angebote richten sich an Schüler*innen verschiedener Schulformen, junge Menschen in Ausbildung oder Berufsvorbereitung, Menschen mit Behinderungen, Jugendliche mit Fluchterfahrung, Eltern und Sorgeberechtigte, Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie Studierende. Gearbeitet wird überwiegend in Gruppen, ergänzt durch Einzelberatungen sowie Fort- und Weiterbildungen. Die Veranstaltungen sind partizipativ angelegt: Themen, Methoden und Sprache orientieren sich an der Lebenswelt der Teilnehmenden, sie können Fragen einbringen und Schwerpunkte mitbestimmen.

Um geschützte Räume zu schaffen, finden viele Workshops ohne anwesende Fachkräfte aus dem Alltag der Jugendlichen statt. Je nach Bedarf werden geschlechtsbezogene oder anders zusammengesetzte Kleingruppen gebildet – immer im Dialog mit den Teilnehmenden. Ein besonderes Format ist der sexualpädagogische „Liebeswelten‑Parcours“, bei dem ausgebildete Teamer*innen mit Kleingruppen an verschiedenen Stationen zu Themen wie Liebe, Sexualität, Verhütung und Grenzen arbeiten. Das Angebot ist bewusst sprach- und kultursensibel konzipiert.

Grundprinzipien aller Veranstaltungen sind Freiwilligkeit, Wertschätzung, Respekt, Vertraulichkeit sowie eine offene, humorvolle und achtsame Atmosphäre. Zur Qualitätssicherung setzt das Lore‑Agnes‑Haus auf gut ausgebildete Fachkräfte, regelmäßige kollegiale Beratung und Supervision sowie systematische Auswertungen anonymer Feedbackbögen. Die Schweigepflicht nach § 203 StGB und die begrenzte Dauer der Kontakte sichern zusätzlich ein hohes Maß an Anonymität, das den offenen Austausch erleichtert.

Eingebettet ist die sexualpädagogische Arbeit in ein umfassendes Schutzkonzept, das sich an den gesetzlichen Vorgaben des Kinder- und Jugendschutzes orientiert. Dazu gehören unter anderem ein Verhaltenskodex, verpflichtende erweiterte Führungszeugnisse für Sexualpädagog*innen und regelmäßige Fortbildungen. Zugleich distanziert sich das Lore‑Agnes‑Haus ausdrücklich von früheren sexualpädagogischen Ansätzen, die pädosexuelle Gewalt verharmlosten, und schließt sich der kritischen Positionierung der Gesellschaft für Sexualpädagogik an.

Damit will das Lore-Agnes-Haus allen Menschen in Essen einen offenen, diskriminierungssensiblen Zugang zu sexueller Bildung ermöglichen – unabhängig von Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Orientierung. Das neue Konzept soll dafür den fachlichen Rahmen bieten und zugleich ein klares Signal setzen: Sexualpädagogik heißt Schutz, Teilhabe und Stärkung der persönlichen Rechte.

Hier das Konzept lesen:

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Auf dem Bild liegt eine Banane auf großen roten Filz-Herzformen, umgeben von mehreren bunten Kondomen, die kreisförmig um das Motiv verteilt sind. Die Szene symbolisiert offensichtlich das Thema Sexualität, Verhütung und „Safer Sex“ in einem verspielten, leicht humorvollen Stil.
Bild von Bruno auf Pixabay.