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AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. | Portrait

Annika Nemec

Integrationslotsin aus Leidenschaft

Eigentlich kommt Annika Nemec nicht aus der Sozialen Arbeit. Doch die Option, das Leben von Menschen positiv zu verändern, hat sie gefesselt und ist ihre Motivation für ihren Job als Integrationslotsin:

„Zunächst habe ich Modedesign studiert und anschließend als Kostüm- und Bühnenbildnerin im Theater und bei Filmen gearbeitet. Bei der Essensausgabe in einer Flüchtlingsunterkunft habe ich dann erlebt, was es bedeutet, in Deutschland anzukommen, und wie schwer es für die Menschen ist, hier Fuß zu fassen. Das betrifft nicht nur Kultur und Sprache, sondern auch die Arbeitsmarktintegration.

Diesen Prozess kann ich nun als Integrationslotsin beim Projekt INAR (Integration Geflüchteter und Migrant*innen in den Arbeitsmarkt) begleiten und aktiv unterstützen. Mit unserem Projekt reagieren wir auf zwei zentrale Herausforderungen in Deutschland: strukturelle Hürden bei der Integration von Migrant*innen abzubauen und den Fachkräftemangel in der Pflege zu bekämpfen. Allein dieses Jahr gehen hier ca. eine Million Menschen in Rente. Gleichzeitig werden nur ca. 700.000 Menschen volljährig. Es rücken also zu wenige Menschen nach, weshalb wir in allen Bereichen auf Migration angewiesen sind. Darum sollten wir allen, die können und sich qualifizieren wollen, eine Möglichkeit bieten.

So können wir nicht nur den Fachkräftemangel bekämpfen, sondern auch gelingende Integration ermöglichen. Denn durch einen Job eröffnen sich Migrant*innen ganz neue Wege, in ihrer neuen Heimat anzukommen, Menschen kennenzulernen und vor allem Deutsch als Sprache im Alltag anzuwenden.

All dies unterstütze ich als INAR-Integrationslotsin. Es motiviert mich, dass ich dadurch nicht nur einzelnen Menschen helfe, sondern gleichzeitig dazu beitrage, dass jemand ausgebildet wird, der sich wiederum um andere Menschen kümmert und somit dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirkt. Denn wir alle werden einmal alt und aus eigener Erfahrung weiß ich, wie dankbar man für gut ausgebildete und nicht überarbeitete Pflegekräfte sein sollte.

Doch das ist oft auch ein Kampf gegen bürokratische Windmühlen in diesem Land. Oftmals ziehen sich Prozesse, beispielsweise für die Arbeitserlaubnis, über Monate hin und fordern unser ganzes Team heraus. So belastend die schwer nachvollziehbare Bürokratie oft ist, umso schöner ist es, wenn wir am Ende einem Menschen helfen konnten, der beispielsweise in seiner Kindheit nicht einmal die Möglichkeit hatte, eine Schule zu besuchen, und der nun hier eine Pflege-Ausbildung abschließt. Dadurch kann er ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führen und unseren Pflegebedürftigen ein würdevolles Leben ermöglichen.“

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Auf dem Foto ist eine Person mit schulterlangem, hellbraunem Haar in einem dunkelblau‑weiß geringelten Pullover zu sehen. Im Hintergrund steht ein großes Bücherregal mit vielen verschiedenfarbigen Büchern und einigen weiteren Gegenständen wie Kisten, Dekofiguren und Schalen.