In der Beratungsstelle an der Universitätsfrauenklinik begleitet der AWO Bezirksverband Niederrhein Frauen in komplexen Situationen rund um Pränataldiagnostik – ergebnisoffen, psychosozial und fachlich fundiert. Dabei erleben die Fachkräfte täglich, unter welchen gesellschaftlichen Druck viele Schwangere geraten, wenn es um die Möglichkeit der Geburt eines Kindes mit Behinderung geht. Die Beratungsstelle möchte Frauen noch viel häufiger vor der Durchführung von Tests begleiten, und zwar nicht erst nach einem auffälligen Ergebnis. Trotz eindeutiger gesetzlicher Vorgaben erhalten die kompetenten AWO Beraterinnen dafür bislang zu wenige gezielte Verweisungen aus der Ärzteschaft.
Umso wichtiger ist eine politische Debatte, die Ethik, Selbstbestimmung und den Schutz vor Selektion zusammendenkt.
Vor diesem Hintergrund war es umso erfreulicher, dass Matthias Hauer im konstruktiven Austausch signalisierte, den interfraktionellen Gruppenantrag zum Monitoring von NIPT zu unterstützen.
Der Gruppenantrag im Bundestag setzt sich dafür ein, die Auswirkungen der Kassenzulassung von NIPT besser zu erfassen. Dazu soll ein Monitoring eingeführt werden, das zeigt, wie gut die vorgeschriebene Beratung rund um den Test wirklich funktioniert, wie häufig NIPT genutzt wird, aus welchen Gründen sich Schwangere dafür entscheiden und wie oft im Anschluss noch weitere Untersuchungen nötig sind. Auch Entwicklungen bei der Geburt von Kindern mit Trisomie 21 sollen dabei berücksichtigt werden. So sollen verlässliche Daten entstehen, um die pränatale Diagnostik künftig verantwortungsvoll gestalten zu können.
Der Antrag umfasst außerdem die Einsetzung eines unabhängigen Expertengremiums, das klare und ethisch tragfähige Leitlinien für zukünftige pränatale Tests entwickelt.
Ein ausdrücklicher Dank geht an Matthias Hauer für den offenen Dialog und die Bereitschaft, die Perspektive der AWO aus der Beratungspraxis in Essen in den Deutschen Bundestag einzubringen.