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AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. | Detail

Pflege-Ausbildung neu denken: AWO setzt Maßstäbe mit innovativen Azubi-Wohnbereichen

Senioren, Pflege & Betreuung

Die AWO Seniorendienste Niederrhein gehen einen mutigen und innovativen Weg im Kampf gegen den Fachkräftemangel und für eine Ausbildung auf Augenhöhe: In „Auszubildenden-Wohnbereichen“ lernen Auszubildende in inzwischen vier Seniorenzentren am Niederrhein voneinander in dafür eigens eingerichteten Wohnbereichen.

Was zunächst nach einer gewagten Idee klang, entpuppt sich als durchschlagender Erfolg für alle Beteiligten. Und dem Träger von 12 Seniorenzentren am Niederrhein gelang so der erfolgreichen Paradigmenwechsel von ‚Ausbildung im Betrieb‘ hin zu einem echten Ausbildungsbetrieb.

Duisburg und Langenfeld als Vorreiter

Bereits seit Januar 2024 betreuen im AWO Seniorenzentrum Karl-Jarres-Straße in Duisburg Auszubildende in unterschiedlichen Schichten 54 Bewohner*innen. Hier sind die Auszubildenden nicht bloß ‚Zuschauer‘, sondern die Hauptakteure. Den entscheidenden Unterschied zu herkömmlichen Ausbildungsmodellen hebt Kerstin Hartmann, Geschäftsführerin der AWO Seniorendienste Niederrhein hervor: „Die Azubis stehen selbst im Mittelpunkt und übernehmen echte Verantwortung. Natürlich werden sie dabei fachlich durch erfahrene Pflegefachkräfte unterstützt und in ihren pflegerischen Tätigkeiten angeleitet. So gewährleisten wir, dass Auszubildende die Praxisanleitung erfahren, die ihnen gesetzlich zusteht. Zudem sollen sie nicht nur von examinierten Kolleg*innen, sondern maßgeblich voneinander lernen.“

Mehr als nur Pflege: Ein strukturiertes Lernparadies

Was das Konzept besonders auszeichnet, ist die perfekte Verzahnung von Theorie und Praxis. Im Karl-Schröder-Haus in Langenfeld wurde eigens ein Raum für die Bearbeitung von Lernaufgaben und Praxisaufträgen geschaffen. „Besonders stolz sind wir darauf, dass wir einen eigenen Raum für die Bearbeitung von Lernaufgaben und Praxisaufträgen geschaffen haben, um das theoretische Wissen bestmöglich in die Praxis zu integrieren", betont Simone Fuhrmann, Einrichtungsleiterin des Karl-Schröder-Hauses. Ein Azubi-Stammtisch trägt im Karl-Schröder-Haus alle zwei Wochen dazu bei, Ziele und Wünsche der Auszubildenen aufzunehmen und so für eine positive Ausbildungserfahrungen beizutragen. 

"Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten"

Angela Schenkel, Einrichtungsleiterin des AWO Seniorenzentrums Karl-Jarres-Straße in Duisburg, ist begeistert vom Konzept: „Es ist eine Win/Win-Situation für alle Beteiligten. Die Auszubildenden bekommen eine intensive Ausbildungsbegleitung, die Bewohner*innen durch die vielen Auszubildenden noch mehr Aufmerksamkeit und die Fachkräfte spüren eine deutliche Entlastung."

Ein weiterer positiver Effekt: Die Mitarbeiter*innenzufriedenheit ist deutlich gestiegen. „Darum würde ich diese Entscheidung immer wieder genauso treffen", so Angela Schenkel. Die erfahrene Einrichtungsleiterin sieht in dem Modell nicht nur eine Bereicherung für ihre Einrichtung, sondern einen wertvollen Baustein für die Pflegezukunft. Zudem sei der Azubi-Wohnbereich auch der perfekte Ort, um internationale Auszubildende zu integrieren. „Denn der Austausch miteinander und das Eingehen aufeinander tragen dazu bei, Sprachbarrieren zu überwinden“, berichtet die Leiterin des AWO Seniorenzentrums Karl-Jarres-Straße, in dem Menschen aus Indien, der Türkei und Syrien derzeit ihre Ausbildung absolvieren.

Begeisterung auf den Fluren

Auch die Auszubildenden selbst sind von ihrem eigenen Wohnbereich und den Aufgaben, die ihnen zugetraut werden, begeistert. „Es gibt zu jederzeit einen festen Ansprechpartner" oder "So viel Verantwortung hat keiner in meinem Kurs" – solche Aussagen sind regelmäßig auf den Fluren des AWO Seniorenzentrums in Duisburg zu hören.

„Das neue innovative Ausbildungsmodell bei den AWO Seniorendiensten Niederrhein bietet den Auszubildenden nicht nur fachliches Wissen, sondern auch intensive Unterstützung und Begleitung durch die Praxisanleitungen, die ihnen kontinuierlich als Ansprechpartner*innen und Vertrauenspersonen zur Verfügung stehen. Und natürlich lernen unsere Azubis viel voneinander", berichtet Angela Schenkel über das großartige Teamwork in dem Wohnbereich.

Das Projekt zeigt eindrucksvoll: „Wenn man jungen Menschen Vertrauen schenkt, wachsen sie über sich hinaus“, bilanziert Simone Fuhrmann nach einem Jahr Praxisbetrieb und sieht die AWO Seniorendienste Niederrhein „konsequent auf dem Weg zum modernen Ausbildungsbetrieb, der gezielt in die Zukunft der Pflege investiert.“

Azubi-Wohnbereich sorgt für Ausbildungsboom

„Während der Pilotphase konnten wir feststellen, dass die engmaschige Betreuung durch die Praxisanleitungen, den vielfältigen Aufgabenbereichen und vor allem durch das gemeinsame Lernen unter den Auszubildenen aus allen Ausbildungsjahrgängen, deutlich weniger Azubis ihre Pflegeausbildung abbrechen“, kann Kerstin Hartmann berichten.

Doch das ist nur ein Grund, warum die Azubi-Wohnbereiche inzwischen in vier Einrichtungen der AWO Seniorendienste Niederrhein erfolgreich etabliert sind und sukzessive auf alle Seniorenzentren ausgeweitet werden soll. „Dass wir nun auch im Willy-Könen-Seniorenzentrum in Neukirchen-Vluyn und im Haus Meyberg in Velbert-Langenberg Azubi-Wohnbereiche anbieten, ist nicht nur ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen Fachkräftemangel. Für die AWO Seniorendienste Niederrhein als Ausbildungsbetrieb ist es ebenso Standort- wie Imagefaktor“, so Kerstin Hartmann. Denn inzwischen spüre die AWO einen regelrechten Run auf die Ausbildungsplätze in den Azubi-Wohnbereichen. „Wie gut und praxisnah bei der AWO am Niederrhein ausgebildet wird, spricht sich auch bei den jungen Menschen rum“, freut sich die Geschäftsführerin über den Erfolg des Ansatzes, die Pflege-Ausbildung neu zu denken und dadurch neue Menschen für den Beruf zu begeistern.

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Auf dem Foto ist ein Besprechungsraum zu sehen, in dem eine Gruppe von Auszubildenden der AWO in Arbeitskleidung an Tischen sitzt. Im Raum sitzen mehrere Personen in weinroten Kasacks (Pflegekleidung) um zwei zusammengeschobene weiße Tische, einige haben Ordner, Schreibunterlagen und Flaschen vor sich. An der Wand steht groß „AZUBI TEAM“ mit AWO‑Herzlogo, darum herum verschiedene Wörter wie „Wertschätzung“, „Feedback“, „Ziele“, „Kompetenz“ und ähnliche Begriffe. Es gibt ein großes Fenster rechts, Regale mit Material links sowie ein Flipchart mit handschriftlichen Notizen und Zeichnungen im Hintergrund.
Gute Stimmung garantiert: Das Team im Azubi-Wohnbereich im AWO Seniorenzentrum Karl-Schröder-Haus in Langenfeld bei der Gruppenanleitung durch Wohnbereichs- und Praxisanleiter Robin Jacobs (vorne).