Der Film zeigt die Folgen der zunehmend restriktiven europäischen und deutschen Migrations- und Asylpolitik und macht eindrucksvoll sichtbar, wie eng individuelle Fluchtgeschichten, politische Entscheidungen und gesellschaftliche Debatten miteinander verflochten sind - und wie weit der Diskurs darüber nach rechts gerückt wurde.
„Als Wohlfahrtsverbände sehen wir es als unsere zentrale Aufgabe, auf diese Entwicklungen aufmerksam zu machen und Raum für eine differenzierte Auseinandersetzung zu schaffen“, betonte Hanimgül Ilhan (AWO Kreisverband Essen) zur Eröffnung. Dies gelang nicht nur durch den emotional aufwühlenden Dokumentarfilm, sondern auch durch ein intensives anschließendes Publikumsgespräch mit Gästen aus Zivilgesellschaft und Seenotrettung.
Auf dem Podium berichtete Regisseur Maik Lüdemann von der Entstehung des Films. Die Dreharbeiten hätten bei ihm die Frage aufgeworfen: „Wenn für manche Menschen Rechte so außer Kraft gesetzt werden wie für Geflüchtete – woher soll man dann wissen, dass das nicht irgendwann auch einem selbst passiert?“ Mit Maike Kratz nahm zudem ein ehrenamtliches Crewmitglied von SOS Humanity teil, einem zivilen Seenotrettungsschiff, das seit 2015 an der Rettung von Zehntausenden Menschen im Mittelmeer beteiligt ist. „Wir wollen mit der SOS Humanity mehr Menschlichkeit aufs Mittelmeer bringen. Wir könnten auch noch mehr Menschen retten, aber das ist politisch nicht gewollt“, kritisierte die Studentin.
Für Achim Gerhard Kemper, der sich ehrenamtlich bei ProAsyl und Seebrücke Essen engagiert, machte der Film eindrücklich deutlich, warum er sich vor Ort für Geflüchtete einsetzt. „Man kann nicht mehr sitzen bleiben und nichts tun, wenn man sieht, was im Mittelmeer und in den Flüchtlingslagern passiert“, begründete der ehemalige Pfarrer sein Engagement.
„Diese Veranstaltung findet vor dem Hintergrund einer politischen Stimmung statt, in der migrationskritische und ablehnende Haltungen lauter werden und ein deutlicher Rechtsruck öffentliche Debatten wie politische Entscheidungen prägt“, resümierte Britta Altenkamp, Präsidiumsvorsitzende des AWO Bezirksverbands Niederrhein. Zugleich zeige die gut besuchte Veranstaltung mit ihrer offenen Diskussion, „wie viele Menschen es gibt, die ihr Herz noch nicht zugemacht haben und denen das Schicksal von schutzsuchenden Menschen nicht egal ist“. Man müsse sich nun „unterhaken“ und gemeinsam für eine gerechte und solidarische Migrationspolitik kämpfen, appellierte Britta Altenkamp.
***
Wer die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer unterstützen will, kann hier online spenden (Projekt Seenotrettung im Mittelmeer).