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AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. | Detail

„Das Patriarchat im Uterus“: Volles Haus bei Lesung und Podiumsdiskussion

Schwangerschaft & Sexualität

Mit großem Interesse verfolgten rund 40 Besucher*innen am 17. März bei der AWO Dortmund die Lesung und anschließende Podiumsdiskussion mit der Berliner Ärztin und Feministin Dr. Alicia Baier. In den Räumen in der Klosterstraße 8–10 stellte sie zentrale Thesen ihres Buches „Das Patriarchat im Uterus. Ein Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung“ vor und schlug damit den Bogen von medizinischen Fakten zu grundsätzlichen Fragen von Demokratie, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung.

Ausgehend von der aktuellen Rechtslage zu Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland machte Baier deutlich, wie sehr die Regulierung durch den Paragrafen 218 weiterhin von patriarchalen Denkmustern geprägt ist. Sie beschrieb, wie Tabuisierung, fehlende Informationen und strukturelle Hürden dazu beitragen, dass der Zugang zu einem sicheren Abbruch vielerorts erschwert wird – und warum dies nicht nur ein „Frauenthema“, sondern eine gesamtgesellschaftliche Frage ist.

Im anschließenden Podiumsgespräch vertieften Dr. Gabi Raven (Ärztin, Dortmund), Sabrina Beckmann (Koordinierungsstelle Istanbul-Konvention, Stadt Dortmund), Nicola Völckel (Lore-Agnes-Haus) und Dr. Alicia Baier unter der Moderation von Andrea Blome die verschiedenen Perspektiven. Diskutiert wurden sowohl die Empfehlungen der von der Bundesregierung eingesetzten Expert*innenkommission zur Reform des § 218 als auch die sehr konkreten Versorgungslücken – etwa fehlende Angebote, lange Wege und der wachsende Druck durch antifeministische Bewegungen.

Immer wieder wurde dabei deutlich, dass es politische Entscheidungen ebenso braucht wie Veränderungen in der medizinischen Aus- und Weiterbildung, um das Recht auf einen sicheren und wohnortnahen Schwangerschaftsabbruch zu sichern. Baier verwies auf ihr Engagement bei Doctors for Choice Germany, einem Zusammenschluss von Mediziner*innen, die sich genau dafür einsetzen und unter anderem bessere Ausbildungsstandards fordern. Die Diskutantinnen waren sich einig: Reproduktive Rechte sind ein zentraler Bestandteil von Menschenrechten – und es braucht eine starke Zivilgesellschaft, um antifeministischen Rollbacks entschieden entgegenzutreten.

Zum Abschluss nutzten viele Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen zu teilen. „Die Veranstaltung machte deutlich, wie groß der Bedarf an Information, Austausch und politischer Einmischung beim Thema Schwangerschaftsabbruch ist – und setzte zugleich ein klares Signal für körperliche Selbstbestimmung und reproduktive Gerechtigkeit“, zieht Nicola Völckel, die ihre Expertise als Leiterin eines Schwangerschaftskonfliktberatungszentrum in die Diskussionen miteinbrachte, als Fazit aus einer spannenden Veranstaltung.

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Auf dem Foto ist eine Gruppe von Menschen in einem Veranstaltungsraum zu sehen, die dicht beieinandersteht und in Richtung Kamera schaut. Im Hintergrund sitzen weitere Personen, außerdem sind Tische, Stühle, eine Garderobe, eine Uhr, Türen und ein Beamer an der Decke zu erkennen.
Nicola Völckel (4.v.r.) leitet das AWO Lore-Agnes-Haus in Essen und bereicherte mit ihrer Expertise eine Lesung von Dr. Alicia Baier (5.v.l.) aus dem Buch „Das Patriarchat im Uterus".