Reichskonferenz der AWO 9. – 12. Oktober 1949 in Schloss Burg, Konzert im Solinger Theater: vorne rechts:  Bezirksvorsitzender Willi Wolff (Tagungsleiter), 1. von links: Aenne Franz, 2. von links: Hanna Gnoß

Wer ist ...

"Sie bleibt für alle Mitarbeiter und Freunde der Arbeiterwohlfahrt der beispielhafte Inbegriff der selbstlosen Sozialistin, die da lebte und wirkte um der Geknechteten und Elenden willen". Viel mehr Worte als in der Traueranzeige des AWO Bezirksverbands Niederrhein zum Tod seiner Ehrenvorsitzenden im Juni 1953 müssen eigentlich nicht mehr geschrieben werden, um das Leben und Wirken von Lore Agnes zu würdigen. 

Die Pazifistin kämpfte mit der AWO und SPD für soziale Reformen und leidenschaftlich für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Nach dem 2. Weltkrieg beteiligte Lore Agnes sich trotz schwerer Krankheit aktiv am Wiederaufbau unseres Wohlfahrtsverbandes und der demokratischen Strukturen.  

An ihren uneigennütigen Einsatz für ihre Mitmenschen erinnern wir mit dem Lore Agnes-Haus. Auch außerhalb der AWO wird ihr Wirken gewürdigt: Die Ruhr-Uni Bochum vergibt den Lore-Agnes-Preis für Projekte zur Gleichstellung. 

"Meine Herren und Damen" sind wohl die bekanntesten Worte von Marie Juchacz, die als erste Frau vor einem deutschen Parlament sprach. Aber sie war mehr als nur eine engagierte SPD-Abgeordnete. Marie Juchacz war vor allem eine leidenschaftliche Sozialpolitikerin mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Daher verwundert es auch nicht, dass die AWO Gründung vor 100 Jahren vor allem auf ihr Engagement zurückging. Bis zum Verbot durch die Nazis stand sie der AWO 14 Jahre vor und prägte sie nachhaltig. 1933 flüchtete sie ins Exil, gründete 1945 die AWO USA und half Kriegsflüchtlingen und den Menschen im zerstörten Nachkriegsdeutschland.

Marie Juchacz, die am 15. März ihren 140. Geburtstag gefeiert hätte, kehrte 1949 nach Deutschland zurück und wurde auf der Solinger Reichskonferenz Ehrenvorsitzende der AWO. Am 28. Januar 1956 starb sie in Düsseldorf.

Ehrenamtliches Engagement liegt meistens in Frauenhänden. Insbesondere die AWO wurde von Frauen geprägt und gestaltet. Beides trifft auf die Solingerin Erika Rothstein zu, die von 1995 bis 2003 im Bezirksvorstand der AWO Niederrhein Verantwortung für unseren Verband übernahm.

Erika Rothsteins Leidenschaft galt dem Ehrenamt. In Vereinen und Verbänden konnte die alleinerziehende Mutter ihren unbändigen Willen, sozial zu intervenieren, leben. Die passionierte Kommunalpolitikerin und Solinger Bürgermeisterin professionalisierte 1990 ihr Engagement und zog für die SPD in den Landtag NRW ein. Dort rückte sie schnell ins Präsidium auf.

Es waren gerade die konkreten Probleme vor Ort, die die 1935 geborene Erika Rothstein auf die Palme brachten und zum Eingreifen drängten. Vor allem, wenn es um das Ehrenamt und das Lösen sozialer Probleme ging. 

Die Trägerin des Ehrenrings der Stadt Solingen verstarb am 12.07.2015. 

1919 wurde die AWO als „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD“ gegründet. Auf diese organisatorische und personelle Verbindung zurückgehend sind viele unserer Einrichtungen nach Persönlichkeiten benannt, die im Sinne unserer gemeinsamen Werte viel für ihre Mitmenschen bewirkt haben.

Hierzu gehört zweifelsfrei auch der Dinslakener SPD-Politiker Wilhelm Lantermann. 1899 geboren, war er von 1929 bis 1933 Stadtverordneter und von 1946 bis 1973 Bürgermeister seiner Heimatstadt. Im Verlauf seiner Karriere war er auch noch Mitglied im Kreis-, Land- und Bundestag. Zeitlebens setzte er sich für „kleine“ Leute ein und besaß das Vertrauen der Bürger*innen. 1973 verstarb Lantermann während einer Ratssitzung. An seine Bürgernähe und seinen bedeutenden Einsatz für viele Menschen erinnern wir mit dem AWO Seniorenzentrum Wilhelm-Lantermann-Haus in Dinslaken.

Willy Könen, der am 08. April seinen 111. Geburtstag gefeiert hätte, war ein Tausendsassa.

Bereits mit 18 Jahren trat er in die SPD ein und beteiligte sich in den folgenden Jahren am Widerstand gegen die Nazis. Nach dem Krieg setzte er sich als Bezirksgeschäftsführer der AWO Niederrhein dafür ein, die schwere Not zu lindern und baute die von den Nazis zerschlagene AWO unermüdlich wieder auf. 1953 wurde Könen in den Bundestag gewählt. Als Abgeordneter war Willy Könen maßgeblich an der Erarbeitung des 1961 beschlossenen neuen Sozialhilfegesetzes beteiligt. Insider bezeichnen ihn auch als dessen Vater.

Von 1965 bis 1977 war Willy Könen Vorsitzender unseres Bezirksverbandes und wurde 1965 ebenfalls zum stellvertretenden AWO Bundesvorsitzenden gewählt. Der Träger der Marie-Juchacz-Plakette starb am 28. Juni 1980. Nach ihm wurde unser Bildungswerk und ein Seniorenzentrum in Neukirchen-Vluyn benannt. 

Wer eignet sich zum Start dieser Rubrik besser als Ernst Dröner - der Gründungsvorsitzende unseres Verbandes am Niederrhein?! Der am 9. Januar 1879 geborene Sozialdemokrat war von 1921 bis 1925 Bezirksvorsitzender.

Neben seiner Tätigkeit als Gewerkschaftler war Ernst Dröner unter anderem Chefredakteur einer Tageszeitung sowie an der Verabschiedung der Weimarer Verfassung beteiligt. Ab 1919 war er dann hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Elberfeld bzw. Wuppertal. 1933 wurde er durch die Nazis aus diesem Amt entfernt und mehrfach inhaftiert. Nach 1945 engagierte sich Dröner erneut kommunalpolitisch als Stadtverordneter in Wuppertal.

Am 15. August 1951 verstarb Ernst Dröner in Folge eines Herzschlages ausgerechnet während eines Kuraufenthaltes in Bad Pyrmont.


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