Reichskonferenz der AWO 9. – 12. Oktober 1949 in Schloss Burg, Konzert im Solinger Theater: vorne rechts:  Bezirksvorsitzender Willi Wolff (Tagungsleiter), 1. von links: Aenne Franz, 2. von links: Hanna Gnoß

Wer ist ...

Foto von Paul Saatkamp
Paul Saatkamp, Träger der Marie-Juchacz-Medaille, führte auch den AWO-Kreisverband Duisburg als Vorsitzender von 1968 bis 1974.

Eigentlich werden an dieser Stelle Persönlichkeiten aus unserer Verbandsgeschichte vorgestellt. Doch Paul Saatkamp muss nicht vorgestellt werden. Denn Paul Saatkamp, der 30 Jahre lang als Vorsitzender die Geschicke des AWO Bezirksverbandes Niederrhein lenkte, kennt jede*r – und auch Paul Saatkamp kennt jede*n.

Daher wird dieser Platz genutzt, um dem am 6. Oktober in Solingen geborenen Ehrenvorsitzenden des Bezirksverbandes herzlich von der ganzen AWO Familie zum 85. Geburtstag zu gratulieren! Nun könnte die ultimative Lobhudelei darüber beginnen, was der ehemalige Düsseldorfer Sozialderzernent in seiner seit 67 Jahren bestehenden AWO Mitgliedschaft für und mit diesem Verband alles erreicht hat.

Das würde allerdings nicht nur den Rahmen dieser Rubrik sprengen, sondern auch Potenzial bieten, wichtige Etappen und Erfolge zu unterschlagen. Darum ist es schlauer, Paul Saatkamp selbst zu Wort kommen und ihn in einem Video auf bewegende und bewegte Jahre zurückblicken zu lassen: kurzelinks.de/j3e9

Portrait von Wolfgang Sauermilch
Einmal AWO, immer AWO! Mehr als zwei Drittel seines Lebens widmete Wolfgang Sauermilch der Arbeiterwohlfahrt. Nicht nur als Geschäftsführer unseres Bezirksverbandes, sondern auch als Schatzmeister der AWO Düsseldorf.

Wolfgang Sauermilch ist nicht nur als erster nicht-konfessioneller Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege in die Landesgeschichte eingegangen. Der AWO Niederrhein bleibt er vor allem in Erinnerung, da er die Geschicke des Verbandes 21 Jahre lang als Geschäftsführer prägte. Bevor er diese Tätigkeit im Jahr 1971 antrat, lernte er die AWO von der Pike auf kennen: Zunächst als Praktikant, dann als Geschäftsführer bei verschiedenen Kreisverbänden.

In seiner Amtszeit setzte er – unter anderem gemeinsam mit dem damaligen Bezirksvorsitzenden  Paul Saatkamp – gegen großen Widerstand und trotz aller Anfeindungen, Proteste und Großkundgebungen das im Jahr 1983 eröffnete „Institut für Schwangerschaftskonflikte“, das heutige AWO Lore-Agnes-Haus, durch. 

Sein prägender Einfluss auf die Arbeiterwohlfahrt und die Freie Wohlfahrtspflege in NRW wurden mit der Verleihung der Marie-Juchacz-Plakette und des Bundesverdienstkreuzes am Bande gewürdigt.

Er verstarb im Alter von 87 Jahren am 01. November 2019.

Auch in persönlicher Not behielt Adam Romboy stets seine menschlich-solidarische Haltung: Im Zuchthaus gab es eine Sonderzuteilung von einem Apfel aus dem Zuchthausgarten. Jeder verschlang – durchaus verständlich – schnell diese Zuteilung. Adam Romboy versteckte diese Kostbarkeit und überreichte sie einige Zeit später als Geburtstagsgeschenk an Hermann Runge (Foto: Sta Mönchengladbach).

Im April vor 45 Jahren wurde das Altenwohnheim Rheydt-Geneicken in Adam-Romboy-Seniorenzentrum umbenannt. Aber warum wurde dem 1893 geborenen Adam Romboy diese Ehre zu Teil?

Dass er am 25. Januar 1972 nach langer Krankheit in der später nach ihm benannten Einrichtung verstarb, mag vielleicht ein Grund gewesen sein. Aber entscheidender war sein politisches Wirken in Rheydt und für seine Mitmenschen als kämpferischer Anwalt für die Armen.

Adam Romboy handelte stets aus Überzeugung. So auch, als der Sozialdemokrat aus Protest gegen die Ernennung von Propagandaminister Goebbels zum Ehrenbürger der Stadt Mönchengladbach den Saal verließ, was er mit Prügel und später mit Gefängnisstrafen bezahlen musste.

Nach dem Krieg verlegte der verbeamtete Adam Romboy seine Aktivitäten auf Rheydt und die AWO, in der er sich als Mönchengladbacher Vorstandsmitglied weiter persönlich für das Wohl seiner Mitmenschen einsetzte.

Nicht nur Friedchens Mann hieß Paul. Auch ihr im Jahr 1935 geborener Sohn wurde auf diesen Namen getauft. Wie auch seine Mutter wurde Paul junior in der AWO aktiv – doch dazu bei Zeiten an anderer Stelle mehr ...

Am 8. November 1916 erblickte Elfriede Saatkamp, die alle nur liebevoll Friedchen nannten, in Solingen das Licht der Welt. Zeitlebens war sie immer eine der Ersten. So gehörte sie zu den ersten Solinger Frauen, die einen Motorradführerschein hatten, und sie prägte nach dem 2. Weltkrieg die Solinger AWO.

Mit Mitgliedsbuchnr. 4 war Friedchen nicht nur treibende Kraft der Wiedergründung des 1933 verbotenen Verbandes, sondern vor allem auch beim Aufbau sozialer Aktivitäten und Dienste in der Nachkriegszeit. Diese Dienstgeschäfte erledigte sie vor allem auf dem Motorrad. Andere wichtige Angelegenheiten klärte sie auf dem kurzen Dienstweg zwischen den Küchenfenstern mit ihrer Nachbarin und Ortsvereinsstellvertreterin Klara Böhm.

Ihr ehrenamtliches Engagement wurde vielfach gewürdigt und mit dem Bundesverdienstorden sowie dem Ehrenring der Stadt Solingen ausgezeichnet. Sie verstarb am 19. Juni 2000.

Ernst Gnoß wurde am 2. Oktober 1946 zum ersten Landtagspräsidenten gewählt. Ab April 1948 bis zu seinem Tod war er Wiederaufbauminister im Kabinett Arnold I (Foto: AdsD / Friedrich-Ebert-Stiftung).

Es gibt Niederrheiner, an die erinnern wir, weil sie sich auch ohne Funktion in der AWO sehr um unseren Verband verdient gemacht haben. Zu diesem Kreis gehört auch der am 22. Juli 1900 in Mülheim an der Ruhr geborene Ernst Gnoß, der zunächst in der Sozialistischen Arbeiterjugend und später in der SPD als Bezirkssekretär im Niederrhein wirkte. 

Nach der „Machtergreifung“ engagierte sich Ernst Gnoß im aktiven Widerstand. Dies blieb von den Nazis nicht unentdeckt, die ihn wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" schließlich zu vier Jahren Zuchthaus verurteilten. 

Nach der Befreiung gehörte Gnoß dem von der Militärregierung gebildeten „Provinzialrat Niederrhein“ an und unterstützte dort tatkräftig den Neuanfang in der Landespolitik, der SPD und ganz direkt auch der AWO am Niederrhein. 

Ernst Gnoß starb an den Spätfolgen seiner Haft am 12. März 1949. Nach dem ersten Präsidenten des NRW-Landtags ist unser Seniorenzentrum in Düsseldorf benannt. 

Maria Berns war SPD-Ratsfrau in Essen und gehörte von 1947 bis 1966 dem nordrhein-westfälischen Landtag an. Für ihre zahlreichen sozialen Tätigkeiten erhielt sie 1964 das Bundesverdienstkreuz (Foto: Unbekannt).

Offenkundig muss es ein wenig mit dem Datum zu tun haben, dass Menschen, die am 24. Dezember geboren wurden, sich besonders für ihre Mitmenschen einsetzen. Zu diesen gehört auch die Essenerin Maria Berns, die vor 120 Jahren das Licht der Welt erblickte. 

Von den Nazis an ihren sozialpolitischen Tätigkeiten gehindert, kam die Zeit der Sozialdemokratin nach dem 2. Weltkrieg. Sie baute als Essener Ratsfrau und Landtagsabgeordnete nicht nur das demokratische System mit auf, sie war auch maßgeblich am Wiederaufbau der AWO beteiligt. Unter ihrer Federführung als Geschäftsführerin der AWO Essen und im Vorstand des Bezirksverbandes Niederrhein entstanden die ersten Alters- und Jugendheime. 

Die Nachkriegsmutter – wie sie liebevoll genannt wurde – setzte sich engagiert für die Beseitigung sozialer Not und für die Schaffung sozialer Einrichtungen ein und erwarb sich damit unvergessene Dienste um das Wohl ihrer Mitmenschen. Sie verstarb am 4. März 1981. 

Von 1949 bis 1973 war Johanne Karoline Gnoß Vorsitzende der AWO Solingen.

Mit Markenzeichen musste sich die 1898 geborene Hanna Gnoß nicht auseinandersetzen. Sie war in Solingen ebenso bekannt wir ihr Fahrrad. Stand dieses Fortbewegungsmittel von Hanna Gnoß vor einer Tür, wusste jede*r: hier wird geholfen. Und diese Hilfe zur Selbsthilfe leistete die überzeugte Sozialdemokratin und Gewerkschafterin ihr Leben lang.

Ihr Wirkungskreis lag dabei nicht nur  in Solingen. Während der NS-Diktatur kümmerte sie sich zum Beispiel um jüdische Kinder in Frankfurt am Main und Verden a. d. Aller. Nach dem Krieg kehrte sie nach Solingen zurück und baute die AWO wieder auf. Stand zunächst die materielle Hilfe im Fokus, legte sie später als Vorsitzende der AWO Solingen und als Bezirksvorstandsmitglied Meilensteine in der aktiven Sozialarbeit. 

Für ihre soziale Arbeit im Bereich Jugend- und Altenhilfe wurde die 1974 verstorbene Hanna Gnoß sowohl mit der Marie-Juchacz-Plakette als auch mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. 

Bis zum Verbot unsers Wohlfahrtsverbandes durch die Nazis war Paul Gerlach viele Jahre Vorsitzender des AWO Bezirksverbands Niederrhein. Paul Gerlach verstarb 1944 in einem KZ. Nach ihm ist u.a. das Bildungswerk des AWO Kreisverbands Essen benannt (Foto:Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung).

5 bis 20 Millionen Menschen haben in den Konzentrationslagern der Nazis gelitten, Millionen wurden dort ermordet. Einer von ihnen ist Paul Gerlach. Der Sozialdemokrat war nicht nur Mitbegründer der AWO in Düsseldorf, maßgeblich beteiligte er sich auch am Aufbau einer Bezirksorganisation der AWO für den Niederrhein und war ab 1925 deren Vorsitzender.

Von 1928 bis 1933 gehörte Paul Gerlach zudem dem Reichstag an, wo er sich u.a. mit AWO Gründerin Marie Juchacz vergeblich gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis stemmte. Nach der nationalsozialistischen "Machtergreifung" wurde Paul Gerlach aus dem öffentlichen Dienst entlassen und mehrfach inhaftiert.

Im Zuge einer Verhaftungswelle nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurde der überzeugte Demokrat erneut verhaftet. Im KZ Sachsenhausen verstarb Paul Gerlach am 10. Oktober 1944 aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen. 

Für die SPD gehörte Dr. Hans van Els von 1969 bis 1984 dem Rat der Stadt Solingen an. Während dieser Zeit war er zuerst Vorsitzender des Sozialausschusses und danach Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses.

Um einen umfassenden Überblick der Aktivitäten von Dr. Hans van Els auf Bezirksebene zu erhalten und zu überblicken, in wie vielen Gremien der Träger der Marie-Juchacz-Plakette aktiv war und an wie vielen Themen er schwerpunktmäßig gearbeitet hat, wurde im Verbandsarchiv nachgeforscht. Fazit: Hans van Els war immer und überall dabei!

Seine Unterschrift fehlte auf keiner Teilnehmer*innenliste. Egal ob in Fachausschüssen, Bezirksvorstand und -ausschuss, Antragskommission, Bezirkskonferenz oder irgend einem anderen Gremium: Dr. Hans van Els war da!

Gleichwohl setzte der 1933 geborenene Familienrichter neben seinem Engagement für die AWO Solingen klare Schwerpunkte im Bezirksverband: Viele Jahre übernahm er im Bezirksvorstand die Funktion des Jugendwerksbeauftragten und trieb in der Projektgruppe „Frauenpolitik“ den Schutz von Frauen und Kindern vor männlicher Gewalt voran.

Seine fachliche Expertise brachte der 2014 verstorbene Jurist zudem in das Bezirksschiedsgericht und in die Bundeschiedskommission ein.

Foto von Willi Wolff
Den Impulsen, die Willy Wolff zu geben verstand, verdankte der AWO Bezirksverband Niederrhein eine Reihe vorbildlicher Einrichtungen. Als Krönung der Arbeit Willi Wolffs kann das damals hervorragend gestaltete Familien-Ferienheim der Arbeiterwohlfahrt in Witzhelden genannt werden, an dessen Erstellung er mit liebevoller persönlicher Anteilnahme mitgewirkte.

18 Jahre lang stand der gebürtige Essener Willi Wolff dem AWO Bezirksverband Niederrhein vor. Während er beruflich zwischen seiner Leidenschaft als Referent für die SPD und seiner Berufung als Lehrer in Solingen hin und wieder wechselte, blieb er der Arbeiterwohlfahrt stets treu.

1947 zum Bezirksvorsitzenden gewählt, galt sein Engagement nicht nur dem Wiederaufbau des Verbandes. Unter seiner Leitung entwickelte sich im Bezirksverband Niederrhein auch eine fachlich sehr qualifizierte Arbeit, die durch intensive Schulung und Fortbildung der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen gekennzeichnet war. Über die Bezirksgrenzen hinweg war Willi Wolff im  damaligen Beirat des AWO Hauptausschusses aktiv und engagierte sich als Vorsitzender des AWO Fachausschusses Schulung und Ausbildung.

Als Willi Wolff am 19. Mai 1965 im Alter von nur 63 Jahren verstarb, hegte er noch viele Pläne für die AWO, deren Verwirklichung zur Aufgabe derer wurde, die seine Arbeit erfolgreich fortführten.

Nach Lene Reklat, die 18 Jahre lang dem Rat der damals noch selbständigen Stadt Rheinhausen und 22 Jahre dem Rat der Stadt Duisburg angehörte, ist ein Seniorenzentrum der AWOcura in Duisburg-Rheinhausen benannt.

Starke Frauen haben in der AWO eine hundertjährige Tradition. Zu diesen Frauen gehört auch (He-)Lene Reklat. Die 1914 geborene Rheinhauserin war bereits mit 14 Jahren in der AWO aktiv und trat dem Wohlfahrtsverband schon mit 17 Jahren bei – durchaus ungewöhnlich für diese Zeit. 

Nach dem 2. Weltkrieg linderte Lene Reklat  zunächst die unmittelbare Not der Kinder. Ab 1955 organisierte sie Ferienfreizeiten, die sie 15 Jahre lang betreute. 1965 gründete sie  in Rheinhausen "Essen auf Rädern". Um selbst Ausfahren zu können, machte Lene Reklat dafür mit 51 Jahren noch den Führerschein. 

Zudem engagierte sich die mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Lene Reklat 40 Jahre lang kommunalpolitisch. Auch dem  AWO Bezirksvorstand gehörte die Trägerin der Marie-Juchacz-Plakette viele Jahre an. 

Noch zu Lebzeiten wurde ein AWO Seniorenzentrum nach der 2008 verstorbenen Lene Reklat benannt – mit ihr als Bewohnerin.

Meta Dümmen war bekannt wie ein "bunter Hund". Vor allem in Dinslaken, wo sie sich für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen einsetzte (Foto: Privat).

Bekannt wie ein "bunter Hund" war Meta Dümmen nicht nur, weil sie jahrelang dem AWO Bezirksvorstand Niederrhein angehörte. Vor allem in ihrer Heimatstadt Dinslaken konnte die dortige AWO Vorsitzende und SPD-Stadtverordnete nicht unerkannt über die Straße gehen. Denn das Interesse der im August 1914 geborenen Meta Dümmen galt ihren Mitmenschen und deren Wohlergehen. 

Unmittelbar nach dem Krieg trat Meta Dümmen der AWO bei, richtete Nähstuben ein und verteilte Care-Pakete an hungernde Familien.

Später war sie maßgeblich an der Errichtung der ersten Kita in Averbruch beteiligt. Doch auch die "Alten" hatte sie stets im Blick. So sind Bau und Inbetriebnahme unseres Seniorenzentrums Wilhelm-Lantermann-Haus in Dinslaken vor allem ihr Verdienst.  

Die Trägerin der Marie-Juchacz-Plakette und des Bundesverdienstkreuzes verstarb 2003. An sie erinnert eine nach ihr benannte Begegnungsstätte in Dinslaken.

Willy Könen war Bezirksgeschäftsführer und Bezirksvorsitzender der AWO Niederrhein. Das Portrait zeigt ihn auf einer unserer Bezirkskonferenzen (Foto: Archiv der AWO Niederrhein).

Willy Könen, der am 08. April seinen 111. Geburtstag gefeiert hätte, war ein Tausendsassa.

Bereits mit 18 Jahren trat er in die SPD ein und beteiligte sich in den folgenden Jahren am Widerstand gegen die Nazis. Nach dem Krieg setzte er sich als Bezirksgeschäftsführer der AWO Niederrhein dafür ein, die schwere Not zu lindern und baute die von den Nazis zerschlagene AWO unermüdlich wieder auf. 1953 wurde Könen in den Bundestag gewählt. Als Abgeordneter war Willy Könen maßgeblich an der Erarbeitung des 1961 beschlossenen neuen Sozialhilfegesetzes beteiligt. Insider bezeichnen ihn auch als dessen Vater.

Von 1965 bis 1977 war Willy Könen Vorsitzender unseres Bezirksverbandes und wurde 1965 ebenfalls zum stellvertretenden AWO Bundesvorsitzenden gewählt. Der Träger der Marie-Juchacz-Plakette starb am 28. Juni 1980. Nach ihm wurde unser Bildungswerk und ein Seniorenzentrum in Neukirchen-Vluyn benannt. 

Unser erster Bezirksvorsitzender Ernst Dröner (Quelle: Stadtarchiv Wuppertal)

Wer eignet sich zum Start dieser Rubrik besser als Ernst Dröner - der Gründungsvorsitzende unseres Verbandes am Niederrhein?! Der am 9. Januar 1879 geborene Sozialdemokrat war von 1921 bis 1925 Bezirksvorsitzender.

Neben seiner Tätigkeit als Gewerkschaftler war Ernst Dröner unter anderem Chefredakteur einer Tageszeitung sowie an der Verabschiedung der Weimarer Verfassung beteiligt. Ab 1919 war er dann hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Elberfeld bzw. Wuppertal. 1933 wurde er durch die Nazis aus diesem Amt entfernt und mehrfach inhaftiert. Nach 1945 engagierte sich Dröner erneut kommunalpolitisch als Stadtverordneter in Wuppertal.

Am 15. August 1951 verstarb Ernst Dröner in Folge eines Herzschlages ausgerechnet während eines Kuraufenthaltes in Bad Pyrmont.

Namensgeber unseres Seniorenzentrums in Dinslaken: Wilhelm Lantermann. Hier bei der Stimmabgabe mit seiner Frau (Quelle: Stadtarchiv Dinslaken, Bildarchiv)

1919 wurde die AWO als „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD“ gegründet. Auf diese organisatorische und personelle Verbindung zurückgehend sind viele unserer Einrichtungen nach Persönlichkeiten benannt, die im Sinne unserer gemeinsamen Werte viel für ihre Mitmenschen bewirkt haben.

Hierzu gehört zweifelsfrei auch der Dinslakener SPD-Politiker Wilhelm Lantermann. 1899 geboren, war er von 1929 bis 1933 Stadtverordneter und von 1946 bis 1973 Bürgermeister seiner Heimatstadt. Im Verlauf seiner Karriere war er auch noch Mitglied im Kreis-, Land- und Bundestag. Zeitlebens setzte er sich für „kleine“ Leute ein und besaß das Vertrauen der Bürger*innen. 1973 verstarb Lantermann während einer Ratssitzung. An seine Bürgernähe und seinen bedeutenden Einsatz für viele Menschen erinnern wir mit dem AWO Seniorenzentrum Wilhelm-Lantermann-Haus in Dinslaken.

Portrait von Antje Huber
Antje Huber war von 1976 bis 1982 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett von Helmut Schmidt. 1980 wurde sie von der AWO mit der Marie-Juchacz-Plakette geehrt.

Auch wenn die am 23.05.1924 in Stettin geborene Antje Huber keine Funktion im AWO Bezirksverband Niederrhein inne hatte, war die Wahlessenerin stets eine treue Freundin und politische Unterstützerin des AWO Bezirksverbandes. 

So war Antje Huber nicht nur ein gern gesehener Gast bei zahlreichen Veranstaltungen des Bezirksverbandes. Vor allem als Bundesfamilienministerin und Bundestagsabgeordnete verschaffte sie den politischen Interessen der AWO Niederrhein Gehör. Gemeinsam mit der AWO verhinderte sie zum Beispiel die vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt geplante Kürzung des Taschengeldes für Heimbewohner*innen, führte den damals sechsmonatigen Mutterschaftsurlaub bei gegebener Arbeitsplatzgarantie und die Regelung eines Unterhaltsvorschusses für Alleinerziehende ein.

Nach ihrem freiwilligen Rückzug aus der aktiven Politik aus Protest gegen die Sparpolitik der damaligen Bundesregierung engagierte sich die launige Rednerin bis zum ihrem Tod am 30.09.2015 weiterhin intensiv in der örtlichen SPD und AWO. 

Portrait von Peter Kraft
Peter Kraft erhielt für seine Verdienste die Marie-Juchacz-Plakette (Foto: Kreisarchiv Mettmann, Bildarchiv F 6.1398).

Vor 91 Jahren erblickte Peter Kraft als Sohn des legendären Ratinger Bürgermeisters Peter „Harry“ Kraft das Licht der Welt. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg trat er in die Fußstapfen seines Vaters und in die AWO und die SPD ein. Wenige Jahre später sollte auch Peter Kraft jun. weit über die Grenzen der Stadt Ratingen hinaus be- und anerkannt sein.  

Neben seinem Wirken als Ratinger Ratsmitglied, Landrat und Landtagsabgeordneter engagierte sich Peter Kraft vor allem in der AWO: So setzte er beispielsweise den Altenplan des Kreises Mettmann um, baute ein flächendeckendes Beratungsangebot für türkische Zuwanderer*innen auf und überprüfte die Wirkungschancen offener und halboffener Hilfen, um Heimerziehung zu vermeiden.

Lange Jahre ließ Peter Kraft seine Erfahrungen aus der Arbeit vor Ort in den Bezirksvorstand der AWO Niederrhein einfließen. Nach seinem Ausscheiden aus diesem Gremium gehörte er bis zu seinem Tod dem Bezirksschiedsgericht an, wo er sein Geschick als ehemaliger Landesschlichter einbringen konnte.

Er verstarb am 11.01.2003.

Die Grande Dame der Arbeiterbewegung in Essen, die als erste Frau zur Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt gewählt wurde: Berta Möller-Dostali.

Berta Möller-Dostali gestaltete in Essen und am Niederrhein das soziale Miteinander durch die AWO und mit der SPD. Die Grande Dame der Arbeiterbewegung war zunächst zehn Jahre Geschäftsführerin unseres Bezirksverbandes, bis sie 1964 die gleiche Tätigkeit bei der AWO Essen übernahm. Mit dem Bezirksverband blieb sie als dessen Vorstandsmitglied dennoch bis zum Jahr 1971 eng verbunden.

Bereits seit 1949 gehörte Berta Möller-Dostali dem Rat der Stadt Essen an und wirkte seit 1953 auch in der Landschaftsversammlung Rheinland am Wiederaufbau des politischen und sozialen Gefüges mit. Besonders setzte sie sich für Kinder, ältere Mitmenschen und für ausländische Arbeitnehmer*innen ein. Die schönste Anerkennung erhielt sie dabei durch die Freude der Menschen, denen sie helfen konnte. 

1969 wurde sie als erste Frau zu Essens Bürgermeisterin gewählt und führte dieses Amt zehn Jahre lang aus. 

Berta Möller-Dostali, die 2001 im Alter von 92 Jahren verstarb, bereute in ihrem Leben nur, niemals Englisch gelernt zu haben.

Lore Agnes war viele Jahre im Bezirksvorstand der AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. aktiv sowie Ehrenvorsitzende unseres Bezirks (Foto:Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung: 6/FOTA013058).

"Sie bleibt für alle Mitarbeiter und Freunde der Arbeiterwohlfahrt der beispielhafte Inbegriff der selbstlosen Sozialistin, die da lebte und wirkte um der Geknechteten und Elenden willen". Viel mehr Worte als in der Traueranzeige des AWO Bezirksverbands Niederrhein zum Tod seiner Ehrenvorsitzenden im Juni 1953 müssen eigentlich nicht mehr geschrieben werden, um das Leben und Wirken von Lore Agnes zu würdigen. 

Die Pazifistin kämpfte mit der AWO und SPD für soziale Reformen und leidenschaftlich für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Nach dem 2. Weltkrieg beteiligte Lore Agnes sich trotz schwerer Krankheit aktiv am Wiederaufbau unseres Wohlfahrtsverbandes und der demokratischen Strukturen.  

An ihren uneigennützigen Einsatz für ihre Mitmenschen erinnern wir mit dem Lore Agnes-Haus. Auch außerhalb der AWO wird ihr Wirken gewürdigt: Die Ruhr-Uni Bochum vergibt den Lore-Agnes-Preis für Projekte zur Gleichstellung. 

Gründerin der AWO: Marie Juchacz (Foto: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung: 6/FOTB065075)

"Meine Herren und Damen" sind wohl die bekanntesten Worte von Marie Juchacz, die als erste Frau vor einem deutschen Parlament sprach. Aber sie war mehr als nur eine engagierte SPD-Abgeordnete. Marie Juchacz war vor allem eine leidenschaftliche Sozialpolitikerin mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Daher verwundert es auch nicht, dass die AWO Gründung vor 100 Jahren vor allem auf ihr Engagement zurückging. Bis zum Verbot durch die Nazis stand sie der AWO 14 Jahre vor und prägte sie nachhaltig. 1933 flüchtete sie ins Exil, gründete 1945 die AWO USA und half Kriegsflüchtlingen und den Menschen im zerstörten Nachkriegsdeutschland.

Marie Juchacz, die am 15. März ihren 140. Geburtstag gefeiert hätte, kehrte 1949 nach Deutschland zurück und wurde auf der Solinger Reichskonferenz Ehrenvorsitzende der AWO. Am 28. Januar 1956 starb sie in Düsseldorf.

Erika Rothstein war engagierte Kommunalpolitikerin in Solingen, Landtagsabgeordnete und gehörte dem Vorstand der AWO Bezirksverband Niederrhein an (Foto: Stadtarchiv Solingen).

Ehrenamtliches Engagement liegt meistens in Frauenhänden. Insbesondere die AWO wurde von Frauen geprägt und gestaltet. Beides trifft auf die Solingerin Erika Rothstein zu, die von 1995 bis 2003 im Bezirksvorstand der AWO Niederrhein Verantwortung für unseren Verband übernahm.

Erika Rothsteins Leidenschaft galt dem Ehrenamt. In Vereinen und Verbänden konnte die alleinerziehende Mutter ihren unbändigen Willen, sozial zu intervenieren, leben. Die passionierte Kommunalpolitikerin und Solinger Bürgermeisterin professionalisierte 1990 ihr Engagement und zog für die SPD in den Landtag NRW ein. Dort rückte sie schnell ins Präsidium auf.

Es waren gerade die konkreten Probleme vor Ort, die die 1935 geborene Erika Rothstein auf die Palme brachten und zum Eingreifen drängten. Vor allem, wenn es um das Ehrenamt und das Lösen sozialer Probleme ging. 

Die Trägerin des Ehrenrings der Stadt Solingen verstarb am 12.07.2015. 

Als Herta Niederhellmann am 16. März vor 114 Jahren in ein bürgerlich-christliches Elternhaus geboren wurde, ahnte niemand, wie sehr die politischen Konflikte der damaligen Zeit die Familie spalten würden. Denn während Herta im Jahr 1928 der AWO und der SPD beitrat, waren ihre Brüder aktive Nationalsozialisten. 

Nach der "Machtergreifung" engagiere sie sich im Widerstand und verteilte Flugblätter mit Berichten über die Schandtaten der SA/SS und der Warnung vor einem neuen Krieg. Dafür wurde sie am 28. November 1934 erneut festgenommen, brutal gefoltert, wegen „Hochverrats" verurteilt und in Frauen-Zuchthäusern und Frauen-KZs eingesperrt.

Trotz zerstörter Gesundheit wirkte sie nach dem Krieg am Wiederaufbau mit und kümmerte sich als SPD-Ratsfrau, als Duisburger AWO Vorsitzende und im AWO Bezirksvorstand um die zahllosen Menschen, die abseits der Wohlstandsgesellschaft standen.

Mit 75 Jahren verstarb sie am 14.09.1981 in Duisburg. 


Die Aufarbeitung unserer Verbandsgeschichte wird möglich durch die Arbeit unserer Historischen Kommission und wird gefördert aus Mitteln des