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AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. | Detail

AWO Trägerkonferenz diskutiert Zukunft der ambulanten Pflege

Senioren, Pflege & Betreuung

Wie kann die ambulante Pflege in Zeiten des demografischen Wandels zukunftsfähig aufgestellt werden? Mit dieser Leitfrage beschäftigten sich dieser Tage Steuerungsverantwortliche der ambulanten Pflegedienste der Arbeiterwohlfahrt (AWO) aus den Bezirksverbänden Mittelrhein und Niederrhein bei einer gemeinsamen Trägerkonferenz im AWO Seniorenzentrum Karl-Jarres-Straße in Duisburg.

Als Referentin führte Claudia Pohl, Referentin für Altenhilfe beim AWO Bundesverband, in das Konzept „Sozialstation 2.0“ der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) ein. Dieses Konzept skizziert ein innovatives Zukunftsmodell, das eine wohnortnahe, bedarfsgerechte und koordinierte häusliche Pflege sicherstellen soll. 

Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage, was die ambulante Pflege künftig können, leisten und gestalten muss, um aktiver Akteur einer lokal vernetzten, sektorenübergreifenden Versorgungslandschaft zu werden. Ausgangspunkt der Diskussion war die Einschätzung, dass die heute verbreiteten Strukturen angesichts der demografischen Entwicklung und weiterer Trends langfristig nicht tragfähig sein werden. Um wachsende Versorgungsbedarfe dennoch zu decken, müssten Angebote stärker an lokalen Ressourcen und Herausforderungen ausgerichtet werden, damit Unterstützung früher, schneller, passgenauer und zugleich kosteneffizient erbracht werden kann. 

Für die Praxis bedeutet dies nach Einschätzung der Teilnehmenden einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Das von der BAGFW vorgelegte Papier zur „Sozialstation 2.0“ beschreibt dazu eine Neuaufstellung ambulanter Pflegedienste hin zu einem umfassenderen Fürsorgegedanke – so wie er vor Einführung der Pflegeversicherung und der Ökonomisierung von Pflege existierte. Die Sozialstation 2.0 fungiert dabei als erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen, erkennt durch ihre regionale Verankerung frühzeitig Versorgungslücken, bündelt Unterstützungsangebote und arbeitet eng mit ambulanten Diensten, Kommunen, Kassen und Ehrenamt zusammen. 

In der Konferenz zeigte sich große Einigkeit darüber, dass sich die Versorgungslandschaft perspektivisch verändern muss. Gleichzeitig äußerten viele Teilnehmende Skepsis, ob die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass notwendige Veränderungen nicht zu weiteren Belastungen der ohnehin stark beanspruchten Pflegedienste führen. Vor Ort bestehe bereits heute ein hoher Druck, Fachkräfte zu gewinnen, Qualität zu sichern und gleichzeitig ökonomisch zu arbeiten. 

Als Konsequenz vereinbarten die Verantwortlichen, die eigenen Strukturen im Lichte bereits bestehender, breit gedachter Synergien zu überprüfen. Ziel ist es, die ambulante pflegerische Versorgung so weiterzuentwickeln, dass Menschen durch die Nutzung lokaler Ressourcen – etwa der AWO Ortsvereine und anderer sozialer Angebote – langfristig gut in ihrem vertrauten Umfeld versorgt werden können. 

Die Konferenz endete mit einem klaren Arbeitsauftrag an die beiden Bezirksverbände: Das im BAGFW-Konzeptpapier formulierte Gestaltungsziel einer Sozialstation 2.0 soll in der verbandlichen und sozialpolitischen Arbeit aktiv vorangetrieben werden. Dabei, so der Konsens, müssen reale und drängende Umsetzungshemmnisse in der Praxis – von Fachkräftemangel über Finanzierung bis hin zu Bürokratie – konsequent mitgedacht werden, damit aus dem Modell schrittweise gelebte Realität werden kann. 

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Auf dem Foto ist eine größere Besprechung oder Tagung in einem Saal zu sehen. Die Personen sitzen an einem U‑förmig gestellten Tisch, haben Laptops, Unterlagen, Getränke und Kaffeetassen vor sich und schauen überwiegend nach vorne auf eine Leinwand, auf der eine Präsentation projiziert wird.